Star-Mütze auf dem Weg zu „100 % made in Tirol“


15.11.2021 Innsbruck Umwelt, Wirtschaft

Von der Kopfbedeckung zum Kultobjekt: Die Tirol-Mütze aus Strick war eines der ersten Produkte der „Kollektion Tirol“, die rasch zum regelrechten Hype wurde. Im bisher stärksten Verkaufsjahr wurde die Kappe 35.000-mal abgesetzt. Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Kollektion Tirol in diesem Jahr ging man der Frage nach, ob es möglich wäre, die legendäre Mütze ausschließlich aus heimischen Materialien – und gänzlich in Tirol – herzustellen. Mit einem Prototyp gelang ein erster Teilerfolg.


Aus dem handgefärbten Garn werden am Ende die Prototypmützen händisch gestrickt.

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Star-Mütze auf dem Weg zu „100 % made in Tirol“
Wo Tirol draufsteht, muss auch Tirol drin sein. So nah und so regional wie möglich lautet daher das Credo bei der Wahl der Produkte und Partner der Kollektion Tirol, die größtes Augenmerk auf Regionalität legt. Obwohl es für viele Artikel weder Rohstoffe noch geeignete Produktionsmöglichkeiten in Tirol gibt, stellte man sich zum 20-jährigen Bestehen der Kollektion Tirol in diesem Jahr die ehrgeizige Frage: Ist es möglich, ein Kleidungsstück gänzlich „made in Tirol“ herzustellen – angefangen von den Rohstoffen bis hin zur Fertigung? Die Lebensraum Tirol Holding und ihre Töchter, die Tirol Werbung und die Standortagentur Tirol, starteten den Versuch, der Klarheit bringen und jenes Produkt neu denken sollte, mit dem vor 20 Jahren alles begann: Die legendäre „Tirol-Strickmütze“, die bis heute ein Verkaufsschlager ist.

„Begonnen wurde das Projekt mit der Suche nach geeignetem Material, das man in heimischer Schafwolle zu finden glaubte“, erklärt Claudia Pichler, Leiterin des Tirol Shops, und ergänzt: „Da sich diese jedoch durch nicht besonders weiche Eigenschaften auszeichnet, erfuhr die Suche eine Fortsetzung, die schließlich in Osttirol von Erfolg gekrönt war.“ In Dölsach nahe Lienz kultiviert Michael Halbfurter seit fünf Jahren Nutzhanf, aus dessen Stängeln begehrte Fasern für die Textilherstellung gewonnen werden können. Für die Verarbeitung der Stängel gibt es in Tirol derzeit jedoch weder geeignete Maschinen noch umfangreiches Know-how. So griff man kurzerhand auf jahrhundertealte Gerätschaften zurück, die im Ötztaler Heimat- und Freilichtmuseum beheimatet sind und die Hanfstängel aus Osttirol so verarbeiten konnten, dass nur mehr deren Fasern übrigblieben. 

Hanf allein geht nicht
Im Zuge weiterer Versuche stellte sich jedoch heraus, dass sich Hanf allein nicht zu einem textiltauglichen Garn verarbeiten lässt. Die Faser gilt zwar als stärkste Pflanzenfaser der Welt, ist feuchtigkeitsregulierend und unempfindlich, aufgrund ihrer Beschaffenheit muss sie aber mit einem anderen Material kombiniert werden, damit daraus Textilien erzeugt werden können. In der Textilindustrie kommen als sogenanntes Trägermaterial häufig Baumwolle, Viskose oder Polyester zum Einsatz. Für eine Mütze, die zu hundert Prozent aus regionalen und natürlichen Rohstoffen gefertigt sein soll, war das jedoch keine Option. So landete man schlussendlich wieder bei der Wolle des Tiroler Bergschafs, die - gepaart mit den Hanffasern – ein passables Garn für eine Mütze „100 % made in Tirol“ ergab.

Handgestrickter Prototyp
Das Garn wurde von zwei Tiroler Hobby-Strickerinnen zu einem Prototyp verarbeitet – das Experiment war gelungen. Damit die Mütze allerdings in Serienproduktion gehen könnte, bräuchte es noch einige Anpassungen und Weiterentwicklungen, sowohl in der Rohstoffgewinnung als auch in der Fertigung. Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Holding: „Der Selbstversuch der Tirol Kollektion zu ihrem 20-jährigen Jubiläum zeigt exemplarisch die Herausforderungen der Re-Regionalisierung einer stark globalisierten Textilbranche. Derzeit gibt es in Tirol leider weder genügend Hanf noch die geeigneten Maschinen und Verfahren, um Hanfstängel für eine Serienproduktion so zu verarbeiten, dass das auch wirtschaftlich tragbar wäre. Das bedeutet, dass wir den Hanf vorerst noch aus alpinen Nachbarländern beziehen werden müssen. Wir werden die Mütze auch weiterhin in Bayern stricken lassen, wo wir seit Beginn mit einem Partner unseres Vertrauens zusammenarbeiten, der als der Spezialist in Sachen Strickmützen bekannt ist.“ Somit ist eine Mütze „100 % made in Tirol“ vorerst noch nicht möglich, man ist dem Ziel jedoch entscheidende Schritte nähergekommen und bleibt selbstverständlich am Ball. Margreiter: „Wir konnten mit dem Versuch der ‚Neuauflage‘ der Tirol-Mütze wertvolles Know-how sammeln und wissen nun, was notwendig wäre, damit unsere Vision der Kappe ‚100 % made in Tirol‘ Realität werden könnte.“ So beschäftigt sich die Standortagentur Tirol im Rahmen des Projektes Alpenhanf 360° zusammen mit Hochschulen, Landwirten und Unternehmen damit, Hanf in Tirol wieder vermehrt zu kultivieren und dessen Anbau zu fördern. Ziel dabei ist auch, dass nicht nur einzelne Teile verwertet werden, sondern im Sinne einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft möglichst die ganze Pflanze - vom Stängel bis zum Samen. Selbstverständlich müssten auch noch geeignete Fertigungsverfahren gefunden werden, die eine Serienproduktion der Tiroler Hanfmütze ermöglichen würden.

Mützendesign: Tiroler Musiker als kreativer Kopf
Das Design der neuen Hanfmütze stammt bereits gänzlich aus Tirol. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Tiroler Musiker Manu Delago entwickelt, der nicht nur für seine Musik, sondern auch für einen nachhaltigen Lifestyle bekannt ist. So haben er und seine Band ihre Österreich-Tournee im Sommer 2021 zur Gänze mit dem Fahrrad absolviert. „Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass man mich für den besonderen Versuch, die kultige Tirol-Mütze 100% made in Tirol herzustellen, ins Boot geholt hat“, so Delago, der sich bei den Ideen für einen Entwurf von der Natur inspirieren ließ. „Die Farbe Grün und das Element Baum sollten fixe Bestandteile des Mützen-Designs sein. Mit einer stilisierten gestrickten Kordel konnten wir der Kappe auch eine kleine Hommage an den Tiroler Hut hinzufügen“, freut sich Delago über den ersten gelungenen Prototyp. 

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