Drei Tuxer Hotelfamilien als Milch-Musketiere


Vom Bergbauern zum Hotelier. Vom Hotelier wieder zum Bergbauern. Das 4-Sterne-Hotel Klausnerhof geht neue Wege, um Altes zu bewahren. Gemeinsam mit zwei anderen Hotels betreibt der Klausnerhof eine Stallgemeinschaft. Das sichert nicht nur bäuerliche Traditionen, sondern beschert den Gästen auch höchsten Genuss.


Die Geschichte des Klausnerhof beginnt so, wie viele in Tirols Tälern. Mit dem Aufkommen des Tourismus vor fast hundert Jahren erkannte der „Hesserbauer“ in Hintertux die Chancen, welche der „Fremdenverkehr“ mit sich brachte. Schon 1936 hatte der Klausnerhof ganze 24 Betten. Bald folgte fließend Wasser und eine Zentralheizung, ein wahrer Luxus zur damaligen Zeit. Als Familie Klausner dann 1979 ihre Sauna mit Whirlpool eröffnete, war das eine kleine Sensation. Heute ist der Klausnerhof ein 4-Sterne-Wellnesshotel mit 135 Betten und 35 Mitarbeitern. Eigentlich könnte diese Erfolgsgeschichte hier schon zu Ende sein und als Paradebeispiel eines erfolgreichen Tiroler Familienbetriebes in die Chronik eingehen. Eigentlich. Wäre da nicht die Sache mit den Kühen.

 

Weitermachen oder bleiben lassen?

Denn obwohl aus den Hesserbauern, wie Familie Klausner im Hausnamen heißt, längst waschechte Hoteliers geworden waren, hatten sie ihre bäuerlichen Wurzeln nie verloren. Den alten Stall gab es immer noch. Samt Milchkühen. Doch die Welt war längst eine andere geworden. Um mit der Milchwirtschaft erfolgreich zu sein, hatte Familie Klausner zu wenige Kühe. Und als Streichelzoo für Hotelgäste taugen diese Vierbeiner schließlich auch wenig. Als im Jahr 2001 der Seniorchef und Altbauer viel zu früh verstarb, standen die Klausners vor einer schweren Entscheidung: Weitermachen oder bleibenlassen? Mit ihrem Dilemma waren sie nicht alleine. Auch die Familien Egger und Mader, ebenfalls Tuxer Hoteliers, standen vor der Entscheidung, die Viehwirtschaften ihrer Vorfahren entweder kostspielig fortzuführen oder eben aufzugeben. „Dieser Gedanke tat uns allen im Herzen weh“, erzählt Frieda Klausner. „Denn Kühe geben ja nicht nur Milch, sondern tragen auch zum Erhalt der Kulturlandschaft Alm bei“.

 

Drei Familien. Eine Stallgemeinschaft.

Was „der Hesser“, „der Hohenhauser“ und „der Kössler“ dann gemeinsam in Angriff nahmen, sorgte Anfangs im Tuxertal für einiges an Staunen. Drei Bauern, die gemeinsam eine Landwirtschaft führen? Sowas hatte es noch nie gegeben. Aus dem ungläubigen Kopfschütteln sollte aber bald ein anerkennendes Nicken werden. 2001 öffnete der neu gebaute Stall der drei „Milch-Musketiere“ seine Pforten. Mit modernster Technik und viel Platz für insgesamt 40 Kühe, gut die Hälfte davon geben Milch. Die wiederum landet inzwischen nicht nur in den Küchen der drei Hotelbetriebe, sondern in Form von Käse, Joghurt und Co. auch auf den Tellern der Gäste vierzig anderer Hotels und Restaurants. Das innovative Gemeinschaftsprojekt fand große Anerkennung und wurde mit dem Gütesiegel „Bewusst Tirol“ ausgezeichnet, sogar den Bezirkssieg konnte sich der Klausnerhof holen.

 

Wenn die Hotelchefin den Heurechen schwingt

Gerade neue Gäste staunen oft nicht schlecht, wenn sie erfahren, dass ihre Gastgeberin auch gleichzeitig Bäuerin ist, erzählt Frieda Klausner. Wer mag, darf sich den gut einen Kilometer vom Hotel entfernten Stall gerne anschauen. In den Sommermonaten steht der allerdings leer, die Tiere sind dann auf Sommerfrische auf den Almen der Stallgemeinschaft. Von Juni bis September begleitet ein „Melcher“ die Kühe bis hoch zur Sonnbergalm auf 2.100 Meter. Familie Klausner hat dann zwar „kuhfrei“, die Arbeit rund um den Hof geht ihnen aber trotzdem nicht aus. „Beim ‚Heign‘ müssen alle kräftig mit anpacken. Aber da wir ja drei Familien sind, ist das trotz Hotelbetrieb gut machbar“, sagt Frieda. Wenn „der Summa umma“ ist, herrscht am Klausnerhof reges Treiben. Die „Buschn“ wollen vorbereitet werden. Für den Almabtrieb. Der ist hier in Tux keine Inszenierung für Touristen, sondern gelebte Tradition. „Wir wollen unseren Gästen keine Show bieten, sondern ihnen unser wertvolles kulturelles Erbe authentisch näherbringen“, so die Klauserhof-Chefin und betont: „Wir binden jeden unserer Buschen noch selber.“

 

Verantwortung für die Heimat

Das Bodenständige, das „Normale“, wie Frieda Klausner es nennt, ist für alle im Hotel Klausnerhof besonders wichtig. Dem Gast wird deshalb nicht nur das Beste aus der eigenen Landwirtschaft aufgetischt, sondern vom ersten Augenblick an auch das Tiroler „du“. „Die Gäste sollen spüren, wo sie sind und wo wir herkommen. Wir können so stolz auf unsere Landschaft, unsere Natur und unsere Kultur sein. Wir wollen unseren Beitrag leisten, damit unsere Heimat auch in Zukunft für uns alle ein lebenswerter Raum bleibt.“ Inzwischen ist im Hotel Klausnerhof schon die vierte Gastgebergeneration am Werk. Auch „die Jungen“ wollen den eingeschlagenen Erfolgskurs weiterführen. Und wenn ein Gast dann fragt, woher denn dieser köstliche Käse vom Frühstücksbuffet kommt, können sie mit Stolz sagen: Von unseren eigenen Kühen.

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