Action ganz in grün


Wenn Julia Cencig und Jakob Seeböck als Kommissare Nina Pokorny und Lukas Roither auf Gaunerjagd gehen – dann sind sie regelmäßig ein Publikumsmagnet. Seit knapp 20 Jahren begeistert die TV-Serie „Soko Kitzbühel“ die ZuseherInnen.


Ruft der Regisseur am Set „Und… Action!“  freut sich aber nicht nur das Publikum, sondern auch die Umwelt. Denn seit 2019 wird „Soko Kitzbühel“ nach den Kriterien des österreichischen Umweltzeichens produziert und ist die erste grünzertifizierte Fernsehserie in Österreich.


Hinter den aufwändigen Dreharbeiten von „Soko Kitzbühel“ steht ein großes Team der Mödlinger Produktionsfirma Gebhardt Service Productions. Viele Jahre lang wurde hier gearbeitet wie gewohnt bei Film und Fernsehen: riesige Dieselaggregate sorgen für den Strom der Schweinwerfer und Kameras, Essen und Getränke für die Crew kommen in weißem Plastik, Schauspieler reisen in Limousinen an. Hauptsache, alles schön im Kasten. Doch irgendwann begann das Umdenken – auch, weil man in Tirol in einer besonders schönen Landschaft dreht.

 

Über Nacht geht gar nichts

„Wir wollten einfach umweltgerechter arbeiten in dieser wunderbaren Umgebung“, sagt Geschäftsführer Florian Gebhardt, „und wir haben uns gedacht, das Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit setzen wir schnell mal um.“

Doch ebenso schnell war klar, dass das ein langfristiges Projekt wird, bei dem an vielen Schrauben gedreht werden muss. „Und wir drehen immer noch“, gesteht Gebhardt, „aber das Thema ist wahrscheinlich nie ausgereizt.“

Gelungen ist trotzdem schon einiges: 108 Drehtage standen 2019 am Programm, ab der Hälfte war die Produktion zertifizierbar. Die größten Umweltbelastungen am Set und in der Nachbearbeitung wurden definiert und weitgehend eingeschränkt, um nachhaltiger, ressourcenschonender und letztlich auch gesünder arbeiten zu können. Fündig geworden sind die „Umweltdetektive“ vor allem in den Bereichen Energie, Transport, Abfall und Wiederverwendbarkeit.

 

Jeder hat sein Email-Häferl

An diesem Regal kommt man bei einem Set-Besuch nicht vorbei: da hängen an einer Wand fein säuberlich aufgereiht Dutzende Email-Häferln, eines neben dem anderen, jedes mit dem Namen des Benützers beschriftet. Plastikflaschen adé und auch beim Catering heißt es: regionales Essen statt Fastfood aus dem Drive-in. Doch Essen und Trinken waren nur der Anfang.

„Dispos und Drehpläne lassen sich am Bildschirm lesen“, befand die Büro-Crew – und schon waren ganze Papierstapel Vergangenheit. In der Maske wird nur noch geprüfte Naturkosmetik verwendet. Green-thinking zeigt sich eben auch in Kleinigkeiten.

 

Stars reisen per Bahn

„Flugtickets stellen wir nur noch in Ausnahmefällen aus“, sagt Florian Gebhardt, „die Darsteller reisen per Bahn an.“ Großartige Überzeugungsarbeit sei dabei nicht notwendig gewesen, schnell hätten alle erkannt, dass es ohnehin bequemer sei mit dem Zug zu fahren als Kurzstrecken zu fliegen. Mitarbeiter in der Produktion sind auf Fahrgemeinschaften umgestiegen und sparen nicht nur CO2, sondern auch Geld.

Apropos Geld: wer Wert auf Umweltschutz legt und billige Wegwerfartikel durch nachhaltige Produkte ersetzt, muss nicht selten tiefer in die Tasche greifen. Gerade in der hart umkämpften Filmbranche ist der Kostendruck enorm. „Klar können Dreharbeiten teurer werden, wenn man auf Nachhaltigkeit Wert legt“, bestätigt Florian Gebhardt, „aber sie müssen nicht unbedingt mehr kosten.“

Vieles was in der Anschaffung teurer ist, amortisiert sich nach mehreren Einsätzen. Kostüme sind so ein Beispiel: der Fundus ist hochwertiger und wird immer wieder verwendet, statt nach einmaligem Anziehen auf dem Müll zu landen.

„Die Umstellung vieler Abläufe hat aber vor allem Arbeitszeit gekostet: vieles musste recherchiert, neu organisiert und verhandelt werden.“ Gelohnt hat es sich aus Sicht der Produktionsfirma trotzdem: „Wir lassen viele nachhaltige Ideen auch in unsere anderen Produktionen einfließen“, sagt Sigrid Riedmann, Green-Producing-Beauftragte der Firma.

 

LED für draußen und drinnen

Ohne Scheinwerfer geht beim Drehen gar nichts. Deshalb hat man sich bei Gebhardt-Service-Productions schnell auf die Lichtfrage konzentriert als es darum ging umweltfreundlicher zu werden. Mittlerweile gibt es nur noch stromsparendes LED-Licht. Auch das alte Diesel-Aggregat zur Stromerzeugung auf der grünen Wiese musste weichen. „Wir haben uns für ein neues Aggregat entschieden, das wesentlich leiser und schadstoffärmer arbeitet“, erzählt Florian Gebhardt.

Veränderungen im Arbeitsprozess stoßen oft auf Widerstand bei den Beschäftigten. Doch diese Erfahrung hat Gebhardt nicht gemacht. Im Gegenteil: alle waren aufgeschlossen – auch, weil das Thema Nachhaltigkeit positiv besetzt ist.

„Mittlerweile ist es so, dass Schauspieler und Crew-Mitglieder gern von anderen Drehorten wieder zurückkommen und dann ganz beseelt sind wie es bei uns zugeht.“

Und ja, mit dem green-turn möchte Gebhardt Vorbild sein, in der Filmbranche und auch in der Glaubwürdigkeit beim Publikum. Schöne Berge und unberührte Natur herzuzeigen und hintenrum Müllberge und Schadstoffe zu produzieren kam immer weniger in Frage.

Mit seinem Drehen an vielen Schrauben zeigt er nicht nur der Filmbranche, was in Sachen Nachhaltigkeit möglich ist. Solche Schrauben hat fast jedes Unternehmen.

Julia Cencig und Jakob Seeböck haben es unterdessen wieder mal geschafft: die Bösen sind zur Strecke gebracht, die heile Welt bei „Soko Kitzbühel“ wieder in Ordnung. Und das alles mit reinem – oder besser gesagt – mit grünem Gewissen.

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