Gemeinsam besser fahren

Lehnen wir uns mal zurück und starten ein Gedankenexperiment: wenn im morgendlichen Berufsverkehr nur jedes zweite Auto wegfallen würde – um wieviel weniger Staus hätten wir und um wieviel schneller wären wir alle in der Arbeit?


Solche Gedanken haben wohl auch René Schader und Thomas Angerer gesponnen, als ihnen 2017 die Idee zu Ummadum gekommen ist. Ummadum? Eine App, die es Pendlern ermöglicht Fahrgemeinschaften zu bilden. Eine Mitfahrbörse also? Schon, aber eben eine ganz besondere. Denn für Schader und Angerer geht Nachhaltigkeit über das bloße Mitnehmen hinaus…


„Düdldü – im Radio erklingt der Ö3-Verkehrsservice: auf der Südost-Tangente brauchen Sie heute früh 30 Minuten länger am Weg in die Stadt“…das kennen wir und das war lange Zeit eben nur ein Wiener Problem.

Doch mittlerweile staut es sich auch regelmäßig um Innsbruck, Wörgl und Lienz. Und wer als Pendler endlich angekommen ist, darf sich nicht selten auf die Parkplatzsuche in der Nähe des Betriebs machen. Nervig, teuer, zeitaufwändig!

René Schaders Rechnung war einfach: wenn in jedem Auto statt einer Person zwei oder drei sitzen, reduziert sich die Zahl der Autos bis auf ein Drittel. Freie Straßen, freie Fahrt.

 

Mit Ummadum gewinnen alle

Die Ummadum-Idee war geboren. Die App ist so aufgebaut, dass alle profitieren: Fahrer, Mitfahrer, Gemeinden sowie der lokale Handel. Und so funktionierts:

Um mit Ummadum fahren zu können braucht man Punkte. Die kann man direkt über die App kaufen oder von Gemeinden, Arbeitgebern, Banken usw. bekommen.

Auf der App können Fahrer ihre Fahrten teilen, Mitfahrer die passende Mitfahrgelegenheit finden. Fahrer bekommen für jeden geteilten Kilometer Punkte von ihren Mitfahrern.

Die Punkte können dann in Geschäften und Handelsbetrieben beim Einkauf eingetauscht werden.

 

Nachhaltigkeit mal drei

Für die Gründer war es wichtig, ummadum auf mehreren Ebenen wirken zu lassen.

Klar – durch die gemeinsame Fahrt bleiben Autos stehen und sparen CO2. Bis jetzt durch Ummadum-Fahrgemeinschaften immerhin 15 Tonnen.

Ummadum kreiert aber auch Gemeinschaft. Soziale Gruppen entstehen, Arbeitskollegen lernen sich kennen. Der Austausch auf der Fahrt zur Arbeit hat schon zum gemeinsamen Sporteln und gegenseitigen Hilfen im Alltag geführt.

Zur Nachhaltigkeit gehört aber auch der wirtschaftliche Erfolg. Seit November letzten Jahres ist die App im Vollbetrieb. Verdient wird mit Provisionen von Partnern und jedem Punkt, der über die App gebucht bzw. vergeben wird.

 

Regionale Wertschöpfung

Egal, wer die Punkte vergibt oder benützt – letztlich kommt der Eintausch dem regionalen Handel zugute. „Wir wollten nicht Guthaben für weltweite Versandhäuser, Streamingdienste oder ähnliches anbieten. Unsere Punkte können Fahrer und Mitfahrer in Geschäften vor der Haustür einsetzen und damit profitiert auch die Wirtschaft in der Gemeinde und im Bezirk“, betont Renè Schader. Solche Kreisläufe schätzen immer mehr Konsumenten.

Bei Ummadum liegt der nachhaltige Nutzen für die Region sehr klar auf der Hand: die Natur atmet unter weniger CO2 Belastung auf, Fahrer und Mitfahrer kommen schneller an den Arbeitsort und sparen Kosten, und die Wirtschaft profitiert.

 

Starke Partner

Das klingt nach einer Zauberformel, in der man unwillkürlich den Haken sucht. Doch Ummadum funktioniert und das ist vor allem auch starken Partnern zu verdanken. Rund 60 Gemeinden und Betriebe machen bei Ummadum mit und geben Punkte aus.

Arbeitgeber tun es, um weniger Parkplatz bereitstellen zu müssen. Gemeinden tun es, um weniger Verkehr im Ort zu haben, Unternehmen tun es im Rahmen von Kundenbindungsprogrammen.

An 400 Stellen können Fahrer und Mitfahrer derzeit die Punkte einlösen und einkaufen. Diese Vorteile nützen derzeit knapp 4000 User – Tendenz stark steigend.

Nach Tirol streckt das junge Start-up die Fühler nach Niederösterreich und in die Steiermark aus. Ein Investor ist mit einem sechsstelligen Betrag eingestiegen und finanziert die Weiterentwicklung. „Natürlich wollen wir wachsen“, sagt René Schader, „unser Fokus bleibt aber auf den Berufspendlern und den Kurzstrecken. Längere Entfernungen werden durch den öffentlichen Verkehr ohnehin gut abgedeckt.“ Deshalb ist Ummadum auch eine Kooperation mit dem Verkehrsverbund Tirol eingegangen.

 

Neues Mobilitätsdenken

René Schader und Thomas Angerer sind keine Träumer. Sie wissen, dass viele Menschen Hemmungen haben, wenn es um Fahrgemeinschaften geht. Nicht umsonst sitzen im Schnitt selten mehr als eine Fahrerin oder ein Fahrer in den Pendlerautos.

„Die einen wollen niemand Fremden im Auto haben – und in der Früh schon gar nicht. Die anderen haben Ängste bei jemand Fremden einzusteigen“, weiß René Schader um die Hemmschwellen. Doch die Fronten bröckeln. Es gibt einfach zu viele gute Argumente für die gemeinsame Fahrt zum Arbeitsplatz. Geld, Zeit, Umweltschutz – jeden motiviert ein anderer Aspekt von Nachhaltigkeit.

Zurück zu unserem Gedankenexperiment: täglich pendeln rund 100.000 Menschen in die Stadt Innsbruck zu ihrem Arbeitsplatz, die meisten im eigenen Auto. Würden sie zu dritt ein Fahrzeug benützen, hätten wir um zwei Drittel weniger Autos nur in dieser Region auf der Straße. Und wenn das in ganz Tirol funktionieren würde….

Träume? Ja, derzeit vielleicht noch. Doch am Beginn nachhaltiger Modelle wie Ummadum stehen oft Träume. Und Umsetzer, die sich was trauen. Wie René Schader und Thomas Angerer mit ihrem Motto „You’ll never ride alone!“

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