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Sport
August 21, 2023
Die Pitztaler Wildspitzbahn ist die höchste Seilbahn Österreichs. Mit hochalpiner Ingenieurskunst wurden die Gipfel für alle Menschen erlebbar gemacht. Dort, wo die Luft schon dünn ist. Auf einer Höhe von 3440 Metern.
Total high. Superlative reizen. Überall. Immer eigentlich. Es muss in der DNA der Menschen liegen, schneller sein zu wollen, besser, größer, cleverer, mutiger oder stärker als andere. Vielleicht, weil in ihrer Entstehungszeit auch die Berge sich in einem epochalen Kraftakt dem Himmel entgegen streckten, ist dieser Reiz in der Tiroler Gebirgswelt besonders spürbar. Auf ihren höchsten Gipfeln jedenfalls. Über 500 Tiroler Berge knacken die 3.000 Meter-Marke. Sie zu erobern und mit dem superlativen Gipfelgefühl beschenkt zu werden, bleibt in den allermeisten Fällen erfahrenen Alpinist:innen vorbehalten. Weniger sportliche, in ihrer Bewegungsfreiheit Eingeschränkte, Ältere, Jüngere oder ihrer geringen Kondition angemessen Mutige können nie das Faszinosum einsaugen, das Körper und Geist auf den Spitzen eines Gebirgsmassivs umhüllt. Nie? Nein! Fast nie! Denn am Ende des Pitztals - kurz nachdem der Taschachbach in die Pitze fließt, um talabwärts dem Inn entgegen zu tosen – präsentieren die Pitztaler Gletscherbahnen eine Ausnahme, die den Gipfeltaumel allen ermöglicht – und zwar derart gespickt mit Superlativen, dass die ganz persönlichen Guiness-Bücher um zig zackige Kapitel erweitert werden dürfen.

„Wir haben die höchste Seilbahn Österreichs, die höchsten Arbeitsplätze, das höchste Kaffeehaus, das höchste Standesamt und am Riffelsee die höchste Flossfahrt“, sagt Bernhard Füruter und muss nach der Aufzählung tief Luft holen. Sie ist ja auch recht dünn da oben. 3.440 ist die Zauberzahl, die das Tal beherrscht, denn auf 3.440 Metern Höhe spitzen sich nicht nur die Berge sondern auch die Möglichkeiten zu, sie zu erleben. Bernhard arbeitet bei den Pitztaler Bergbahnen, ist selbst Pitztaler, sagt „gach“, wenn er schnell meint, „Ha“ zu Heu oder „kett“ zu gehabt. Das harte k seiner Heimat wurde ihm in die Wiege gelegt und er kann sich auch gut daran erinnern, als Ende der 1970er-Jahre die Planungen für die Erschließung des Pitztaler Gletscherskigebietes das ganze Tal in Hochspannung versetzten. „Das waren schon Pionierleistungen und als die Bahn Anfang der 1980er-Jahre in Betrieb gegangen ist, war das eine riesen Euphorie und ein riesen Aufschwung für alle“, erzählt er.
Pionierleistung ist das passende Wort, wenn es um die Eroberung des Hochgebirges geht. Auch im Pitztal, nein, vor allem im Pitztal, woher der Vater eines der bekanntesten Bergpioniere stammte. Auf diesem Umweg ist Luis Trenker in Arzl im Pitztal verwurzelt. Der Schauspieler, Schriftsteller, Regisseur und Bergsteiger hat mit seinen Filmen auch in flachsten Küstenregionen die Berglust befeuert und den Wagemut personifiziert, der nötig ist, um Gipfel zu erklimmen. Wagemut gepaart mit Ingenieurskunst bildete auch die Basis dafür, das Pitztaler Gletschergebiet für alle Menschen zu erschließen – und jene Superlative zu ermöglichen, die aufzuzählen Bernhard nie müde wird. Das Gefühl, auf 3.440 Metern Höhe den Sonnenaufgang zu erleben und beim Erwachen der Bergwelt gemütlich einen Cappuccino zu schlürfen, kann nicht beschrieben werden. „Man muss es selber erleben, das kann man nicht in Worte fassen“, sagt Bernhard – und er hat recht.

Das Prickeln, das sich auf der rund 20 Minuten langen Fahrt mit dem Gletscherexpress und der Wildspitzbahn steigert und beim Ausstieg „am Berg“ regelrecht explodiert, findet in Worten schlicht keine Entsprechung. Der Versuch, das Panorama der Gletscherwelt zu beschreiben, muss scheitern und wenn die Wildspitze, der zweithöchste Berg Österreichs, von hier aus zum Greifen nah scheint, ist demütiges Schweigen die fast logische Reaktion. Zumindest bis dieser selige Moment in einen Juchezer mündet, weil der 3.768 Meter hohe Riese von hier aus nur 328 Meter höher und dem Himmel nur unwesentlich näher ist.
Kein Wunder, dass sich schon 200 Brautpaare im höchsten Standesamt Österreichs trauen ließen – verleiht dieser Standort dem Wort Hochzeit doch eine ganz neue Dimension. Weil Superlative reizen. Überall. Immer eigentlich. Und vor allem hier.

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