"Es gibt ganz viele Dinge da draußen, die einfach immer so gemacht werden, weil man sie immer so gemacht hat. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, dass man alles ein kleines bisschen hinterfragt, um etwas anders machen zu können."
Matthias, der „Flachlandtiroler“, wie man ihn in seiner Heimatstadt nennt, beschreibt die Landschaft in Leipzig so: „Da hört alles am Horizont auf.“ In Tirol ist dieser Horizont plötzlich höher, lebendiger, voller Wälder, Kanten, Höhen und Schatten. Und vor allem nie gleich. „Die Berge sind immer anders, mal haben sie gute Laune, mal schlechte,“ stellt der der Unternehmer fest. Dieser für Flachlandbewohner ungewohnte Anblick war es auch, der vor sechs Jahren alles ins Rollen brachte. Auf der Heimfahrt vom Gardasee durchs Inntal schaute sein Sohn aus dem Fenster und fragte plötzlich: „Papa, warum fahren wir jetzt eigentlich nach Leipzig zurück?“ „Ja, warum eigentlich?“ Drei Wochen später zog Familie Schneider nach Tirol. Matthias Frau sagte nur: „Endlich.“
Der Architekt, der digital baut
Als Kind wollte der gebürtige Deutsche Architekt werden, studiert hat er BWL. Die Liebe zu Strukturen ist geblieben. Heute plant er keine Häuser, sondern Abläufe. Seit 25 Jahren ist Matthias selbständig, hat mehrere Unternehmen aufgebaut und auch wieder verkauft. Mit seinem Unternehmen Ivato, das er mit seiner Frau leitet, begleitet er Firmen bei der Digitalisierung, er hat Standorte in Leipzig, Dubai und Innsbruck. Er liebt es, in Betriebe hineinzuschauen, Fragen zu stellen und Potenziale zu finden. Den Blick hinter die Kulissen findet er mindestens genauso spannend wie damals als Kind bei der Wissens-Fernsehserie „Die Sendung mit der Maus.“ Wenn ein Plan aufgeht, sagt Matthias seinen Lieblingssatz, ebenfalls von einer Fernsehserie von damals inspiriert. Es ist ein Zitat aus der Actionserie „Das A-Team“: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“
"Es gibt ganz viele Dinge da draußen, die einfach immer so gemacht werden, weil man sie immer so gemacht hat. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, dass man alles ein kleines bisschen hinterfragt, um etwas anders machen zu können."
Die Voraussetzungen für Optimierung
Es ist wichtig, Gewohntes immer wieder zu hinterfragen, um etwas verbessern zu können. Dann muss man sich die richtigen Voraussetzungen schaffen. Würde man die Digitalisierung als Werkzeugkoffer betrachten, brauche es zu Beginn mindestens drei Werkzeuge. Erstens: Daten in den Griff bekommen. Nicht als Papier, sondern digital, auffindbar, auswertbar. Zweitens: automatisieren, was ständig wiederkehrt und Zeit frisst. Drittens: das Wissen sichern, damit es nicht im Kopf einzelner Personen verschwindet. Eine Wissensdatenbank, die hält, wenn Menschen gehen, Rollen wechseln oder Betriebe wachsen, ist sehr wichtig. Wenn man das alles beachtet, kann man sehr viel effizienter werden. Digitale Tools gibt es heutzutage fast täglich neue. Matthias ist überzeugt, dass die KI, die es derzeit gibt, entwickelt wurde, um uns das Leben zu erleichtern. Dabei sollte man aber eines nicht vergessen: Wer digitalisiert, muss auch Sicherheit mitdenken, sonst öffnet man Türen für Missbrauch.
Gespannt, faul, rastlos.
Der Digitalisierungsexperte beschreibt sich als gespannt, faul und rastlos. Gespannt, weil er daran glaubt, dass es das Leben gut mit uns meint und das Universum stets einen Plan hat, mit uns gemeinsam ein Problem zu lösen. Als faul bezeichnet sich Matthias deshalb, weil er keine Lust auf unnötige Arbeit hat und deshalb genau daran arbeitet, Unternehmen effizienter zu machen. Somit spielt im ein gewisses „Faulsein“ in die Karten. Als rastlos beschreibt er sich, weil er gern ankommt und genießt, aber gleichzeitig weiterdenkt, wo er etwas optimieren kann. Und wenn es bei sich selbst ist.
„Sag mal, kennst du den?“
Matthias hat mit seiner Familie in Zirl bei Innsbruck ein neues Zuhause gefunden. Was den Zugereisten an diesem Ort begeistert, ist nicht nur die Aussicht auf die Berge und die Menschen, die durch den Umzug in sein Leben traten. Er selbst ist in einem Dorf aufgewachsen. In Zirl erinnert ihn vieles an seine glückliche Kindheit in einer intakten Dorfgemeinschaft. Es gibt alles im Ort, was man braucht, von Schulen, Ärzten bis zu Einkaufsmöglichkeiten. „Es gibt sogar ein zweistöckiges Schuhgeschäft,“ schwärmt Matthias. Dass sich jeder auf der Straße grüßt, fand Matthias anfangs seltsam. Beim ersten Mal fragte er seine Frau verwundert: „Sag mal, kennst du den? Nein? Okay, grüß dich auch!“ Inzwischen hat er diese Gepflogenheit sehr liebgewonnen. Ungewöhnlich fand er anfangs auch, dass manche seiner Mitarbeitenden im Innsbrucker Büro mit Skiern in die Arbeit kommen, um nach getaner Arbeit noch auf die Piste zu gehen. Das hatte er noch nirgends gesehen, findet es aber sehr cool. Was in Tirol alles möglich ist!
"Ich wünsche mir, dass Tirol den Weg, den es jetzt schon eingeschlagen hat, weitegeht. Viele denken, Tirol ist nur Tourismus, das kann ich festen Wortes sagen, das ist es nicht. Es gibt hier eine wunderbare Industrie, es gibt hier ganz tolle Leute, die Projekte hochziehen, wo man nicht wusste, dass es in Tirol entstanden ist."
Blick nach vorn
Für die Zukunft Tirols wünscht er sich, dass man den Standort nicht auf Tourismus reduziert. Tirol kann weit mehr: eine innovative Industrie, starke Forschung, erfolgversprechende Start-ups und Technologien, die weltweit mitspielen. Vielleicht passt genau das zu ihm und zu seiner produktiven Rastlosigkeit, aus der immer wieder Neues entsteht. Nur eines kann sich Matthias nicht vorstellen: dass er sich an den Tiroler Bergen jemals sattsehen wird, ganz egal, ob sie gerade gute oder schlechte Laune haben. Ein „Flachlandtiroler“ ist er damit längst nicht mehr. Sondern jemand, der in Tirols Bergwelt wirklich angekommen ist.
Weitere Informationen:
ivato GmbH – Unternehmensberatung GmbH | Standortagentur Tirol
Video: Jakob Strassl
Fotos: Jakob Strassl

schreibt leidenschaftlich gerne Geschichten über die Menschen in Tirol und über Themen, die das Land weiterbringen. Sie ist in der Unternehmenskommunikation für die Lebensraum Tirol Gruppe tätig und wohnt in Axams.